Pressemitteilung

Vier Optionen für die Zukunft der Kirchlichen Hochschule Wuppertal

Sondersynode der rheinischen Kirche hat Beratungen aufgenommen

  • Nr. 48/2024
  • 6.6.2024
  • 5562 Zeichen

Düsseldorf (6. Juni 2024). Die 78. außerordentliche Landessynode zur Zukunft der Kirchlichen Hochschule (KiHo) Wuppertal ist am Abend mit einem digitalen Gottesdienst eröffnet worden. Dr. Wibke Janssen, hauptamtliches Mitglied der Kirchenleitung und Leiterin der Abteilung Theologie und Ökumene im Landeskirchenamt, schlug in ihrer Predigt den Bogen zur Barmer Theologischen Erklärung: „Die KiHo, um die es bei unserer Sondersynode zentral geht, ist eine unmittelbare Folge der Bekenntnissynode von 1934 und aus ihrem Geist heraus entstanden. Mit Barmen war gedanklich der Weg gebahnt für die Notwendigkeit, eigene, vom nationalsozialistischen Staat unabhängige kirchliche Strukturen aufzubauen.“ Die digitale Tagung dauert noch bis zum 11. Juni.

Heute, so Janssen, sei die Frage: „Wie fassen wir die sechs Barmer Thesen als Ansage für unsere Zeit auf und wie setzen wir sie um? Wie nehmen wir den Geist von Barmen auf? Welche Prioritäten fordert das für unser kirchliches Handeln?“ Ein Faden, den Dr. Volker Haarmann, Leiter des Dezernats Theologie und Gemeinde im Landeskirchenamt, aufgriff. In seiner Einbringungsrede zitierte er aus dem 5. Buch Mose: „Du kannst nicht so tun, als ginge es dich nichts an.“ Für ihn ein Vers, der das Spannungsfeld der jetzt anstehenden Entscheidung beschreibt. „Ich denke, das trifft nun auch auf Sie als Synodale zu: Du kannst nicht so tun, als ginge es dich nichts an! Die einen können nicht so tun, als gingen Finanzen sie nichts an. Und andere können nicht so tun, als ginge Theologie sie nichts an. Beides braucht es zum Leben, Theologie und wirtschaftliche Existenzsicherung. Beides braucht es – für uns und für unsere Kirche.

Fortführung, Schließung, Kooperation oder Bildungscampus

Haarmann skizzierte noch einmal die vier Optionen, die jetzt zur Diskussion stehen: die Fortführung und Weiterentwicklung der KiHo, die Schließung der KiHo zum nächstmöglichen Termin, die Schließung der KiHo in Verbindung mit einer neuen Form der Kooperation mit der Bergischen Universität Wuppertal sowie der Erhalt der KiHo bei gleichzeitiger Transformation in ein Basismodell „Theologischer Bildungscampus“ mit schrittweiser Reduzierung des Zuschussbedarfs. Die Kirchenleitung hat ausdrücklich auf eine eigene Positionierung verzichtet. Bei Mehrheiten für Option eins oder zwei könnte eine Entscheidung schon auf der Sondersynode fallen. Bei Mehrheiten für Option drei oder vier würde eine Steuerungsgruppe den gewählten Vorschlag bis zur ordentlichen Synode 2025 noch einmal präzisieren. Haarmanns persönlicher Appell am Ende der Einbringung: „Mein Eindruck nach nunmehr sechs Jahren im Vorsitz des Kuratoriums der KiHo ist: Wir sind es als größter Träger der KiHo schuldig, jetzt Klarheit für die Zukunft zu schaffen. Die vergangenen Jahre standen unter erheblichem Spardruck und haben dennoch nicht zur Konsolidierung der Zukunftsperspektiven geführt. Jetzt braucht es Klärungen, wie es mit Blick auf Wirtschaftlichkeit und mit Blick auf Theologie weitergehen soll.“

Haushaltsdefizit im Jahr 2030 zwischen 28 und 44 Millionen Euro

In einer aktualisierten Finanzprognose hatte Oberkirchenrat Henning Boecker, Leiter der landeskirchlichen Finanzabteilung, den Synodalen im Vorfeld der Synode per Video zwei Szenarien der Entwicklung vorgestellt. Im negativen Fall muss die rheinische Kirche schon ab 2025 mit einem nicht mehr ausgeglichenen Haushalt und einem Minus von 9,1 Millionen Euro rechnen. Im positiven Fall verschiebt sich das erste gravierende Haushaltsminus um ein Jahr nach hinten. Perspektivisch steht zu erwarten, dass das Haushaltsdefizit im Jahr 2030 zwischen 28 und 44 Millionen Euro beträgt. „Das ist entsprechend auch die Summe, die wir einsparen müssen“, so Boecker. Auf der Landessynode 2025 soll ein Plan für die Haushaltskonsolidierung vorgestellt werden, die Entscheidungen dazu sind dann für die Synode 2026 vorgesehen. „Wir reden über große Einschnitte, die erforderlich sind“, stellte Boecker in Aussicht. Er verglich den Prozess mit der Haushaltskonsolidierung 2015, in deren Folge „wir zehn Jahre gut mit dem Geld ausgekommen sind“. Die letzte noch ausstehende Entscheidung von damals sei diejenige über die KiHo. „Danach beginnen wir übergangslos mit einer neuen Haushaltskonsolidierung.“

Aktuelle Kosten und deren Verteilung

Derzeit trägt die Evangelische Kirche im Rheinland im Jahr 2,77 Millionen Euro der Kosten, die Evangelische Kirche von Westfalen ist mit 750.000 Euro beteiligt. Der Zuschuss der Evangelischen Kirche in Deutschland zum KiHo-Betrieb von 720.000 Euro wird bis 2030 auf 560.000 Euro abgesenkt.

So geht die Synode weiter

Der Sonntag und Montag sind jetzt den nicht öffentlichen Ausschusssitzungen vorbehalten.  Die zweite und abschließende Plenarsitzung findet am Dienstag, 11. Juni, ab 18.30 Uhr statt. Am Mittwoch, 12. Juni, 10 Uhr, ist eine digitale Pressekonferenz zur Beschlussfassung der Synode mit Präses Dr. Thorsten Latzel und Dr. Volker Haarmann vorgesehen. Sie wird live auf landessynode.ekir.de und ekir.de gestreamt. Medienvertreter*innen, die im eigens eingerichteten Zoom-Raum am Gespräch teilnehmen möchten, melden sich bis spätestens 12. Juni, 8 Uhr, per E-Mail an pressestelle@ekir.de an und erhalten anschließend den entsprechenden Zugangslink.

Stichwort: Kirchliche Hochschule (KiHo) Wuppertal

Die KiHo Wuppertal ist eine staatlich anerkannte Universität in Trägerschaft der Evangelischen Kirche im Rheinland und der Evangelischen Kirche von Westfalen. Rund 200 Menschen studieren dort derzeit evangelische Theologie in den beiden grundständigen Studiengängen „Pfarramt“ und „Magister theologiae“ sowie im Weiterbildungsstudiengang „Master of Theological Studies“ oder sie forschen, um promoviert oder habilitiert zu werden.

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Die Evangelische Kirche im Rheinland erstreckt sich über Teile der Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen. Sie gliedert sich in 37 Kirchenkreise mit 605 Kirchengemeinden. Die rheinische Kirche hat knapp 2,2 Millionen Mitglieder.
  • Ekkehard Rüger
  • EKiR/Marcel Kuß