Pressemitteilung

Oberkirchenrätin zu Pfingsten: „Nur miteinander verstehen wir die Welt“

Barbara Rudolph ist Pfingstsonntag im Gottesdienst in Haan zu Gast

  • Nr. 83/2020
  • 31.5.2020
  • 2030 Zeichen

Haan. In ihrer Pfingstpredigt warnt Oberkirchenrätin Barbara Rudolph vor einem einseitigen Blick auf die Welt. „So wie ich die Dinge sehe und beurteile, ist nicht das Ganze. Wir brauchen das Fremde, die andere Sicht“, sagt Rudolph. Das hauptamtliche Mitglied der Kirchenleitung und Leiterin der Abteilung Theologie und Ökumene der Evangelischen Kirche im Rheinland predigt am Pfingstsonntag um 11 Uhr in der evangelischen Kirche in Haan. Der Gottesdienst wird im Livestream auf www.ekir.de übertragen.

Heute werden Angst-Grenzen gezogen

Grundlage der Predigt ist die Erzählung vom Turmbau zu Babel im 1. Buch Mose, Kapitel 11,1-9. In der Geschichte begegne uns die Angst vor der Buntheit und Verschiedenheit der Menschen und Kulturen, „die wir bis heute immer wieder beobachten können“, so die Oberkirchenrätin. Diese Angst sei in der Bibel auch der Antreiber für das große Gemeinschaftsprojekt des Turmbaus. Heute seien es weniger die Angst-Türme, sondern die Angst-Grenzen, die gezogen würden: „rund um Europa, damit nicht zu viele Menschen in unser Land strömen; in der Corona-Krisenzeit um jedes einzelne Land; und innerhalb von Landesgrenzen durch Ausgrenzung von denen, die fremd sind und uns Vertrautes infrage stellen“.

Verschiedenheit der Sprachen und Kulturen ist ein Segen

Die Verwirrung der Sprachen in der Geschichte sei nicht als Gottes Gericht zu verstehen. Es gehe Gott vielmehr um eine lebendigere Welt ohne Zwang zu Uniformität. In der Verschiedenheit der Sprachen und Kulturen liege ein großer Segen: „Nur miteinander verstehen wir die Welt.“ Diese „bunte Gesellschaft mit großen Verschiedenheiten“ werde auch in der Pfingstgeschichte nicht aufgelöst, sagt Barbara Rudolph. „Aber Gottes Geist schafft eine Gemeinsamkeit über alle Verschiedenheiten hinweg. Konfessionelle Grenzen beeindrucken ihn nicht. Er will und wird eine versöhnte Verschiedenheit ermöglichen; sie zu leben ist uns geboten.“

Stichwort: Turmbau zu Babel

Die biblische Geschichte hat einen realen Bezug: Den Tempelturm in Babylon hat es tatsächlich gegeben. Ein Stein von ihm ist im Bibelmuseum der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ausgestellt, versehen mit einem Stempel des Königs Nebukadnezar, der 562 v. Chr. starb. Im Jahr 2018 konnte sogar das Bindemittel analysiert werden, das auf dem Lehmziegel zu erkennen ist. Es handelt sich um Bitumen (Erdharz) – wie im Bibeltext erwähnt: „... und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel“.

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  • Ekkehard Rüger
  • Uwe Schinkel
Download: Predigtmanuskript Oberkirchenrätin Barbara Rudolph