Pressemitteilung

Bedrohung durch tief verwurzelten Antisemitismus ist auch heute noch real

Präses Manfred Rekowski zum Holocaust-Gedenktag

  • Nr. 29/2020
  • 24.1.2020
  • 3464 Zeichen

Düsseldorf. Gegen jegliche Form von Antisemitismus entschieden aufzutreten, dazu hat Präses Manfred Rekowski angesichts eines immer lauter werdenden judenfeindlichen Denkens, das auch vor Angriffen auf Menschen und Synagogen nicht zurückschreckt, aufgerufen. Aus Anlass des 75. Jahrestags der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch Soldaten der Roten Armee sagt der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland:

„Des Vergangenen gedenken heißt zugleich, der Wahrheit ins Auge zu sehen. Nicht erst durch den schrecklichen Anschlag von Halle im vergangenen Oktober muss allen bewusst sein, wie real die Bedrohung durch einen tief verwurzelten Antisemitismus für Jüdinnen und Juden in Deutschland heute wieder ist. Die Schändung des jüdischen Friedhofs in Geilenkirchen am 30. Dezember 2019 hat dies ebenfalls sehr deutlich gezeigt. Als Kirche sind wir uns der Verantwortung bewusst, die sich für uns im Zusammenhang mit jeder Form von Antisemitismus ergibt: ,Nie wieder!‘ kann und muss unsere deutliche Antwort sein. Es ist dabei unsere Aufgabe und unsere Verpflichtung, auf antisemitische Tendenzen und Gefahren aufmerksam zu machen. Das sind wir nicht nur unseren jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern schuldig, das ist auch schlicht unsere gesellschaftliche Pflicht.“

Video „GehDenken“: Jugendliche fahren nach Auschwitz

Welche Bedeutung Besuche von Gedenkstätten für junge Menschen haben, zeigt ein Video, das die Evangelische Kirche im Rheinland aus Anlass des Holocaust-Gedenktags mit Mitgliedern der Evangelischen Jugend Essen und der Alevitischen Jugend Essen gedreht hat. Die Jugendlichen waren 2018 zu einer Gedenkstättenfahrt nach Krakau und Auschwitz aufgebrochen. Sie berichten von der Wut über die Menschen, die Jüdinnen und Juden denunziert haben, die sie ermordet haben. Sie sprechen davon, wie sich ihr Leben durch Auschwitz verändert hat, sie erzählen, wie sie wachsam geworden sind für antisemitische Spuren. Der Film „GehDenken – eine Reise nach Krakau und Auschwitz“ ist abrufbar unter: www.ekir.de/url/PAM.

Die Jugendlichen haben ihre Erfahrungen auch in einer Ausstellung mit dem Titel „GehDenken“ mit 13 großformatigen Fotos dokumentiert, die am kommenden Montag, 27. Januar 2020, ab 17 Uhr in der Heilermannstraße 5, 45138 Essen, zu sehen ist.

Die Jugendlichen erzählen auch in den WDR-Morgenandachten

Auch das Evangelische Rundfunkreferat hat die Interviews mit jungen Leuten der Evangelischen Jugend Essen und der Alevitischen Jugend Essen in mehreren Radiobeiträgen aufgenommen. So sendet das Kirchenmagazin „Himmel & Erde“ am Sonntag, 26. Januar 2020, in der Zeit zwischen 8 und 9 Uhr den Beitrag „75 Jahre nach Auschwitz: Junge Besucher erzählen“ über die Lokalradios in NRW. Anschließend ist er im Netz auf www.himmel-und-erde-online.de nachzuhören sowie am 27. Januar 2020, dem Holocaust-Gedenktag, auf der Facebook-Seite www.facebook.com/KircheNRWLokalradios.

Auch in den evangelischen Morgenandachten beim WDR, Sendedatum: Montag, 27. Januar 2020, kommen Jugendliche aus Essen zu Wort. Die Termine im Einzelnen: WDR 5: 6.55 Uhr, WDR 3: 7.50 Uhr; WDR 4: 8.55 Uhr. Autorin ist Landespfarrerin Petra Schulze, Düsseldorf. Zum Nachhören, Podcasten und Nachlesen sind die Morgenandachten abrufbar unter www.kirche-im-wdr.de.

Stichwort: Holocaust-Gedenktag

Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Seit 1996 ist der 27. Januar nationaler Gedenktag der Bundesrepublik Deutschland, seit 2005 ist er Holocaust-Gedenktag der Uno. Die Evangelische Kirche im Rheinland hat sich erst 1980 ausdrücklich zu einer Mitschuld am Holocaust bekannt und in der Vernichtung der Juden einen Angriff auf den Gott, den auch Christinnen und Christen anbeten, gesehen.

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Die Evangelische Kirche im Rheinland erstreckt sich über Teile der Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen. Sie gliedert sich in 37 Kirchenkreise mit 668 Kirchengemeinden. Die rheinische Kirche hat mehr als 2,45 Millionen Mitglieder.
  • Wolfgang Beiderwieden