Pressemitteilung

„Zusammenhalt beginnt dort, wo wir andere im Blick haben“

Vizepräses Antje Menn predigt am Sonntag in Neukirchen-Vluyn

  • Nr. 60/2026
  • 11.09.2026
  • 4717 Zeichen

Düsseldorf/Neukirchen-Vluyn. Zusammenhalt von Menschen entfaltet Kraft und Stärke. Das betont Vizepräses Antje Menn anlässlich des Jahresfestes des Neukirchener Erziehungsvereins . „Einen einzelnen, dünnen Faden, den bekomme ich zerrissen. Und obwohl eine Schnur aus nichts anderem als aus vielen einzelnen, dünnen Fäden besteht, werde ich sie nicht zerreißen können, weil die Fäden nicht mehr lose sind, sondern miteinander verbunden, fest verwoben, ineinander verdreht. Das ist das Geheimnis, das eine Schnur oder ein Seil tonnenschwere Lasten tragen lässt.“

Biblisch verweist die Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland auf Verse aus dem Buch des Prediger Salomo: „Zwei sind besser als einer allein. Wenn zwei zusammenarbeiten, bringen sie es eher zu etwas. Denn wenn einer fällt, hilft der andere ihm wieder auf. Doch, wehe dem, der allein ist, wenn er hinfällt. Und keiner ist bei ihm, der ihn aufrichtet. Zudem, wenn zwei sich schlafen legen, wird ihnen warm. Und wenn jemand einen einzelnen auch überwältigt, sie sind ihm gewachsen, und eine dreifache Schnur reißt nicht so schnell.“

„Nicht spotten, nicht wegsehen, sondern hingucken und unterstützen“

„Zusammenhalt beginnt im Kleinen“, sagt Menn in ihrer Predigt im Familiengottesdienst (Sonntag, 13. September, 10 Uhr, Festzelt an der Heckrathstraße, 47506 Neukirchen-Vluyn) beim 181. Jahresfest . „Er beginnt dort, wo wir den oder die andere im Blick haben. Zwei haben es leichter als ein einzelner, sagt Salomo und spricht aus Erfahrung. Dabei geht es weder um eine romantische Beziehung noch um reinen Pragmatismus. Es geht darum, füreinander da zu sein und was das bei uns verändert.“ Zu zweit sei es besser als allein, denn wenn der eine falle oder mal einen Durchhänger habe und nicht mehr könne, helfe der andere ihm auf. „Nicht spotten, nicht wegsehen, nicht liegenlassen, sondern hingucken, zuhören und unterstützend handeln. Ob bei den Hausaufgaben oder bei Liebeskummer, ob bei Behördengängen oder Hilfe im Alltag. Auch wenn es emotional mal kalt werden sollte, wo zwei sind, kann die eine der anderen Zuwendung und Wärme schenken.“

Gott schenkt einen langen Atem

Doch der Prediger Salomo sei „ein ziemlich realistischer Zeitgenosse“, macht Vizepräses Menn deutlich: „Bei allem Lob auf das Miteinander von Menschen und das Lob eines gelungenen Doppels, weiß er auch, dass uns Menschen manchmal die Kraft oder der Mut oder die passende Idee fehlt, solchen Zusammenhalt zu leben. Da gibt es Missverständnisse oder auch mal Neid, vielleicht ist da einer auch mit seinen Gedanken einfach nur woanders. Da ist es gut, wenn noch ein Dritter ins Spiel kommt.“ Deshalb spreche Salomo von einer dreifachen Schnur und eröffne damit eine weitere Dimension: die Gegenwart Gottes. Menn: „Gott, der sich als eine spürbare Kraft in unser Miteinander hineinwebt und unseren Lebensschnüren Halt geben kann. Der uns einen langen Atem schenkt, wenn unsere Geduld mit dem anderen zu Ende ist. Der uns ermuntert, nicht bei uns selbst zu bleiben, sondern uns für andere zu öffnen.“

Wie gehen wir miteinander um, wenn wir uneins sind?

Jesus habe gezeigt, wie das gehen kann. Er habe Menschen, die Jüngerinnen und Jünger, in eine Gemeinschaft berufen. „Und das war keine harmonische Gruppe von Gleichgesinnten. Da trafen Fischer auf Zollbeamte, politische Aktivisten auf Skeptiker. Menschen, die sich im normalen Leben wohl nie an einen Tisch gesetzt hätten. Und er hat sie ermuntert, voneinander zu lernen und miteinander umzugehen. Denn Jesus ist überzeugt: Jede und jeder hat etwas einzubringen, so wie Gott uns in wunderbarer Vielfalt geschaffen hat. Gemeinschaft zeichnet sich dadurch aus, wie wir miteinander umgehen, wenn wir uneins sind.“

Zusammenhalt ist ein Krisenbegriff

Vizepräses Menn betont weiter: „Zusammenhalt ist die Schnur, die uns beieinander hält, wenn die Zeiten stürmisch werden. Soziologen sprechen davon, dass Zusammenhalt ein Krisenbegriff ist. Dann braucht es umso mehr dieses einende Moment, ein Dach, das uns als Gesellschaft mehr verbinden kann, als manche glauben mögen. Und dabei das Dach weit und ausladend fassen, damit Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit anknüpfen können. Nicht um Seilschaften zu begründen, sondern um Verknüpfungen zu schaffen, Dialog und Brückenbauen zu ermöglichen. Zwischen den Generationen, zwischen denen, die lange Jahre schon hier sind, und denen, die neu ankommen, zwischen den verschiedenen Bubbles und Kulturen. Es ist schon ein Wunder, wie viel innere Stärke ein jeder und eine jede entwickeln kann, wenn wir aufeinander zugehen, einander respektieren und die Würde jeder einzelnen Person schützen.“

Stichwort: Neukirchener Erziehungsverein

Der Neukirchener Erziehungsverein wurde 1845 von Pfarrer Andreas Bräm gegründet, um Kindern in schwierigen Lebenssituationen Schutz, Bildung und Halt zu geben. Was mit der Hilfe für Jungen und Mädchen begann, hat sich verändert und ist mit den Jahren gewachsen – so wie die Bedürfnisse der Menschen, die die diakonische Einrichtung bundesweit begleitet. Heute unterstützt der Erziehungsverein nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Familien, ältere Menschen und Menschen mit Behinderung.

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Die Evangelische Kirche im Rheinland erstreckt sich über Teile der Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen. Sie gliedert sich in 34 Kirchenkreise mit 527 Kirchengemeinden. Die rheinische Kirche hat mehr als zwei Millionen Mitglieder.
  • Jens Peter Iven
  • EKiR/Hans-Jürgen Bauer